Selbstreflexion – der Weg zurück

Manchmal kann man gar nicht beschreiben, was man fühl. Man kann nicht erklären, warum und wieso man Gefühle hat, die man hat. Ach, wenn das nur so einfach wäre und man das Unverständliche einfach so hinnehmen würde, dann würde man die Gefühle ohne Nachzudenken akzeptieren und nach vorne schauen. Aber was, wenn der Blick nach vorne nicht immer der richtige ist?

Der Weg nach oben, der Weg nach vorne – nie ist die Rede vom Weg nach hinten. Ganz im Gegenteil, einen Schritt zurück zu machen ist zu meist mit einem negativen Unterton behaftet. Warum? Und was hat das Ganze bitte mit meinen unerklärbaren Gefühlen zu tun?

Wenn sich der Weg nach vorne einfach nicht richtig anfühlt

Ich fühle mich mir selbst fremd. Kennst du das? Wenn du mit Leuten unterwegs bist, dich lustig und locker verhältst und innerlich einfach nur falsch fühlst? Als würdest du dich selbst nicht mehr erkennen. Die Leute um dich herum erkennen es nicht, aber du merkst es.

Mir ging es so in den letzten Monaten. In der Arbeit war ich gestresst, sagte Sachen, die ich eigentlich nicht sagen wollte. Ich benahm mich komisch in manchen Situationen, was mir am nächsten Tag peinlich war. (Meistens merkte es keiner, außer ich selbst) Ich schwebte im höchsten Selbstbewusstsein und im nächsten Moment fühlte ich mich, als wäre ich nie genug und keiner Herausforderung gewachsen. Was war nur los mit mir?

Ich rede hier nicht von einer ernsthaften Krankheit wie einer Depression. Aber ich merkte, dass irgendetwas mit mir nicht stimmte, dass ich meinen Weg und mein Ich irgendwie gerade nicht finden konnte. Lange habe ich überlegt, mir Gedanken gemacht, warum ich mich so veränderte. Bei Situationen, die schiefgegangen sind, habe ich mir ständig selbst die Schuld gegeben. Alles, was ich mir vorgenommen hatte, ob mehr Sport oder mehr Meditation oder andere Hobbys – nichts hatte ich durchgezogen. So konnte es nicht weitergehen.

Nach vielen Stunden der Selbstreflexion machte es plötzlich klick: Ich musste einfach nur wieder ein paar Schritte zurückgehen.

Ein Schritt zurück ist nicht immer schlecht

Es war für mich geradezu wie eine Erlösung, als ich erkannte, dass ich damit aufhören musste mir Gedanken zu machen, warum ich mich so fühlte und mehr darauf konzentrieren, wer ich eigentlich bin. Auch wenn die Frage nach dem Warum in vielen anderen Fällen der komplett richtige Ansatz sein könnte, bei mir hat es nur auf die falsche Fährte geführt. Ständig hatte ich versucht, einen Schuldigen zu finden und letztendlich war das dann meistens ich selbst.

Also drehte ich den Spieß um und stellte mir die Frage: Maria, wer bist du eigentlich? Und dann kam es mir: Ich hatte mein Ich verloren. Und was macht man, wenn man etwas verliert? Man läuft den Weg, den man bereits gegangen ist, wieder zurück und sucht den Boden ab.

Selbstreflexion – zurück zu mir selbst

Was ich in den oberen Zeilen mal wieder so einfach und locker beschrieben habe, war harte Arbeit, denn – wie finde ich eigentlich zu mir selbst? Ich habe keinen Psychologen oder mental Coach befragt, deshalb gibt’s auf mein Rezept auch keine Garantie, aber ich kann dir versichern, dass es bei mir Wunder gewirkt hat und ich möchte es mit dir teilen.

Seit ein paar Jahren führe ich Tagebuch und schreibe meine Gedanken auf, die mich beschäftigen – ein wahrer Helfer bei der Selbstreflexion! ©thewomaninblueshoes

Ein paar Schritte zurück, bitte!

Erstmal habe ich mir Gedanken gemacht, wo ich aktuell bin, was ich die ganzen Wochen und Stunden so treibe und es haben sich 5 Key-Komponenten herauskristallisiert: Arbeit, essen gehen oder bestellen, Netflix, Wein und Shopping. Ähm – ok.

Spätestens hier traf es mich wie ein Schlag, denn viele meiner Eigenschaften wie Schreiben, Musik, Meditation, Sport und Familie kamen überhaupt nicht darin vor?!

Als ich den ersten Schock verkraftete hatte, setzte ich mich an eine Liste und arbeitete Schritt für Schritt ab:

  1. Arbeit: Bin ich auf dem richtigen Weg?
  2. Essen – ernähre ich mich gesund? Genieße ich das Essen?
  3. Netflix: Schränkt tägliches Netflix-Gucken meinen aktiven Lebensstil ein?
  4. Wein: Trinke ich zu viel Alkohol?
  5. Shopping: Macht mich das einkaufen wirklich glücklich?

Mit Umwegen zu einem erfüllten Leben

Diese Fragen zu beantworten, war der erste Schritt Richtung „zurück zu mir“. Denn einige Antworten bewiesen, dass ich mich auf dem falschen Weg befand. Mein damaliger Job war einfach nicht der richtige für mich und ich wechselte in ein anderes Unternehmen, dass mir mehr Wertschätzung und vor allem Chancen bot. Was Netflix betrifft, veränderte ich nicht viel, denn Filme und Serien waren nun mal zu meinen neuen Hobbys geworden. Aber dafür stellte ich meine Essgewohnheiten um: Mehr selber kochen und auf meine Vitamine achten.

Bezüglich Wein hatte ich mich entschieden wieder meine alten Vorsätze einfließen zu lassen: Kein Alkohol unter der Woche (in der Regel!). Und mein Shopping-Verhalten grenzte ich ein. Weniger bestellen und dafür lieber einmal einen Shopping-Samstag einlegen, der direkt in der Stadt stattfindet. Denn Onlinebestellungen waren meiner Meinung nach viel schwerer kontrollierbar. Ich brauche einen neuen Mixer? Klick – schon bestellt. Meine Handtücher im Bad gefallen mir irgendwie nicht mehr? Klick – schon habe ich neue bestellt. Es war einfach alles so easy und unkompliziert, wenn man es bestellte. Leider überlegte ich dadurch auch weniger und „klickte“ einfach.

Die ersten Fragen hatte ich geklärt und mir meine Wegrichtung neu ausgelegt. Aber es kam nun eine sechste Frage dazu, die meinen neuen Weg vollkommen machen sollte:

  1. Welche Werte, Hobbys und Vorlieben hatte ich vernachlässigt? Wie kann ich sie wieder in meinem Leben integrieren?

Ganz oben: Das Schreiben! Als Leserin oder Leser meines Blog hast du vielleicht schon sehnsüchtig auf einen nächsten Beitrag gewartet. Ich hatte leider eine kleine Pause eingelegt, weil ich dachte, dass mir die Muse fehlt. Allerdings war ich einfach nicht ich selbst und konnte keine Zeilen schreiben, die mich befriedigten – so ist das manchmal 🙂 Aber jetzt bin ich zurück und mein Geist ist wieder offen für Inspirationen und neue Ideen.

Ich bin ehrlich, das Thema Werte ist so weitreichend und wichtig, sodass ich den Werten einen eigenen Blogbeitrag widmen möchte. So viel kann ich aber sagen: es ist voller Trigger-Situationen und Aha-Momenten.

Eine große Leidenschaft, die ich lange vernachlässigt habe und Sehnsucht in mir weckt ist die Musik, genauer gesagt Musicals. Als junges Mädchen schon sang ich in diversen Schulmusicals und träumte von der großen Bühne. Dieses „kleine Mädchen“ möchte ich mir beibehalten und in der Freizeit auch wieder ausleben.


Das Leben ist so vielseitig. Die Menschen und Einflüsse, die täglich auf uns treffen, sind vielseitig. Und genau deswegen müssen wir Stärke behalten, uns selbst treu bleiben und uns auch mal eingestehen, dass falsche Wege nicht schlimm sind und man sie jederzeit abbrechen kann. Manchmal lohnt es sich, auch wenn dadurch der ein oder andere Umweg sichtbar wird.

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