Die neue Art des Unglücklichseins

Ich bin positiv!“ Einen Satz, den wir letztes Jahr absolut NICHT hören wollten, denn er bedeutete: Zuhause einsperren, keine Kontakte mehr zu den Liebsten und Angst vor dem Unberechenbaren. In kurz gesagt: Corona. Ein Begriff, der im Jahr 2020 der berühmteste der Welt wurde. Ich möchte aber in diesem Beitrag gar nicht auf das Thema Corona eingehen – die Meisten können den Begriff nicht mehr hören. Viel wichtiger ist doch, was Corona aus uns macht oder gemacht hat. Daher widmet sich dieser Beitrag der neuen Art des Unglücklichseins und wie man selbst etwas daran ändern kann.

Wenn ich mich in meinem Freundeskreis umhöre, kristallisiert sich ein Begriff heraus: Unglücklichsein. Die meisten nennen es auch nicht bei Namen, sondern es wird über die aktuelle Situation gejammert, negativ in die Zukunft geschaut und in der Vergangenheit geschwelgt, die so viel besser war als das Hier und Jetzt. Ich finde es daher wichtiger denn je, sich mit dem Thema Unglücklichsein zu beschäftigen und vor allem herauszufinden, wie man diesem entgegenwirken kann, um den Moment wieder genießen zu können – mit oder ohne Corona.

Die Bedeutung des Unglücklichseins

Unglücklichsein ist ein Gefühl. Es entsteht, wenn die negativ empfundenen Erlebnisse den positiv empfundenen überwiegen. In der Psychologie wird auch der Begriff Depression verwendet. Es äußert sich oft durch Interessenverlust, sozialen Rückzug, schlechte Laune, Negativität, Müdigkeit und Energieverlust. Spannend ist insbesondere, dass man gleichzeitig glücklich und unglücklich sein kann. Wie beispielsweise nach einem Auslandssemester: Die Zeit im Ausland ist vorbei. Ich freue mich auf meine Familie und bin glücklich, alle wiederzusehen. Andererseits bin ich aber auch unglücklich, da ich dem lockeren und freien Leben im Ausland nun Auf Wiedersehen sagen muss.
Die Corona-Zeit stellt uns allerdings vor ganz andere Herausforderungen, die uns unglücklich machen wie Social Distancing und Freiheitsverlust.

Was ist die neue Art des Unglücklichsein?

Glück wird oft mit Freiheit, Geselligkeit, Freundschaft, Partnerschaft und Gesundheit in Zusammenhang gebracht. Keine sozialen Kontakte und das stay home stehen praktisch im Gegensatz dazu und bieten in dieser Theorie kaum Grundlage zum Glücklichsein. Was aber, wenn es eine bessere Theorie gibt? Oder Fakten, die das Glücklichsein anders definieren?

Wir haben es selbst in der Hand

Internationalen Studien zufolge haben wir mindestens 40% des Glücklichseins selbst in der Hand. Nur 10% machen die Lebensumstände aus. Das schließt auch die aktuelle Situation durch Corona ein. Die anderen 50% zum Glücklichsein werden von unseren Genen bestimmt. Ist man also mehr unglücklich als glücklich, kann man daran selbst etwas ändern.

Wie werde ich glücklich und zufrieden?

Also Schluss mit dem Gemieze und Gemauze, dass man in der aktuellen Situation nicht glücklich werden kann. Stattdessen blicken wir voller Hoffnung in den Norden: Die Dänen gelten beispielsweise als das glücklichste Volk der Welt. Warum? Weil sie eine Einstellung praktizieren, die mit einfachen Dingen glücklich macht: Hygge. Es ist die Fähigkeit, Genuss zu empfinden, im Augenblick zu leben und dankbar zu sein.
Ok und wie soll das jetzt genau gehen?

  1. Zum Genießer werden
    Genuss bedeutet, die schönen und positiven Momente im Leben voll und ganz auszukosten. Dabei sind nicht nur die großen Momente gemeint, sondern auch die kleinen Dinge. Wenn Du dir beispielsweise ein leckeres Gericht gönnst, dann lasse es Dir genüsslich auf der Zunge zergehen und genieße jeden Bissen!
    Tipp: Ich persönlich habe eine große Leidenschaft für gute Weine. Daher kam mir eine virtuelle Weinprobe sehr entgegen.
  2. Im Augenblick leben
    Im neuen Jahr wird alles besser! Es tut mir leid, wenn ich jetzt die ein oder andere Hoffnung zerstöre, aber nein, das wird es nicht. Manche Situationen werden besser, vielleicht ein Gesundheitszustand oder ein Job, aber nicht alles. Denn das wahre Glück findet im Hier und Jetzt statt.
    Als ich noch mitten im Studium steckte und vor lauter Lernen und Stress keine Motivation hatte, mich mit Freunden zu treffen oder sonntags an einen Badesee zu liegen, schossen mir immer wieder diese Gedanken durch den Kopf: „Nach dem Studium stehen mir alle Türen offen. Ich werde einen top Job bekommen, meine Leidenschaft, das Schreiben, ausleben und dazu auch noch gut Geld verdienen. Und das nächste Silvester verbringe ich dann in New York.“
    Dann kam mein Abschluss und mit ihm Corona. Es gab kaum Jobangebote und New York konnte ich auch von der Liste streichen. Die Zukunft kam ganz anders und ich habe die Augenblicke während meines Studiums verpasst, in denen ich meine Freunde treffen und das Leben genießen konnte – trotz Stress. In Zukunft wird mir das nicht mehr passieren, denn eins habe ich gelernt: Der Augenblick zählt.
  3. Dankbarkeit lernen
    Wenn wir morgens die Zeitung aufschlagen, lesen wir eine negative Schlagzeile nach der anderen. Aber warum? Warum wird hauptsächlich nur über die schlimmen Sachen geschrieben? Weil das gute Leben für unsere Wohlstandsgesellschaft selbstverständlich geworden ist und die negativen Schlagzeilen daher um einiges interessanter und aufregender sind als die positiven. Denke ich da mal nur an mich selbst, wie ich undankbar Mitte des Jahres gejammert habe, wie beschissen doch mein Leben ist: Ich, 26 Jahre alt, single und nur zu Hause ohne Partys, Freunde oder Veranstaltungen – grausam!
    Aber was ist mit den ganzen positiven Dingen, die ich erleben durfte? Wie mein Trip nach Italien, auf dem ich endlich meine italienische Familie kennenlernen durfte oder meinen Job, den ich glücklicherweise trotz Corona bekommen habe. Oder die Hochzeit meiner besten Freundin im Oktober. Die Wahrnehmung für die ganzen glücklichen Momente habe ich einfach verloren und damit auch die Dankbarkeit für meine vielen glücklichen Momente. Es wird Zeit, diese wieder zurückzuholen.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin erleichtert zu wissen, dass wir es selbst in der Hand haben. Freiheit und Selbstbestimmung sind Werte, die wir so oft von anderen fordern und lieben gelernt haben. Nun haben wir die Freiheit, in Selbstbestimmung etwas zu verändern und glücklich zu werden.

2 Kommentare zu „Die neue Art des Unglücklichseins

    1. Liebe Lara, es freut mich, dass Dir der Beitrag gefällt und wenn es zum Umdenken anregt – noch besser 🙂 Einen schönen Sonntag!

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