Kurzgeschichten aus Vietnam – Teil 2

Kapitel 2: Phu Quoc Island

Das erste was ich tat, war tief durchatmen. Endlich waren wir aus dem Flieger in Phu Quoc gestiegen. Ein sehr kleiner, übersichtlicher Flughafen und ganz viele Palmen.
Auch Alisa zog begeistert ihre Go-Pro Kamera aus der Tasche, als wir mit dem Taxi Richtung Hotel fuhren. Wir kurbelten die Fenster herunter und genossen den Wind, der durch unsere Haare wehte. Der Taxifahrer konnte zwar ebenfalls kein Englisch, war aber dennoch sehr freundlich und wusste, wie man mit Touristen umgehen muss. Ruhig und mit einem Grinsen im Gesicht machte er uns deutlich, dass wir angekommen waren.

Wir hatten ein kleines Appartement mit Bad und Pool Lage gebucht. Auf dem Weg zu unserer Wohnung liefen wir an kleinen Beeten vorbei, wo ein alter Mann Blumen mit viel Liebe einpflanzte. Er hatte dabei ein zufriedenes Lächeln im Gesicht. Ab diesem Moment war mir klar: Den besten Job in Vietnam haben die Gärtner. Voller Ruhe und Gelassenheit konnten sie ihrer Arbeit nachgehen und das wurde mir im späteren Verlauf des Urlaubes immer mehr bewusst: Wenn man in Vietnam Ruhe sucht, muss man die Gärtchen finden. Dort war es IMMER am friedlichsten.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, wollten wir sofort ans Meer. Vorbei an vielen kleinen Bungalows und über eine Dschungelbrücke führte ein 5-minütiger Fußweg zum Strand. Wir beobachteten eine Weile die Wellen und legten uns in die Sonne. Die Sauberkeit schien in ganz Vietnam keine wichtige Rolle zu spielen. Hinter unseren Handtüchern türmte sich ein stinkender Müllhaufen auf.
„Das hier könnte ein kleines Paradies sein“, sagte ich, „aber dieser Müll zerstört die schöne Atmosphäre.“
„Hör auf zu jammern!“, erwiderte Alisa belustigt und tauchte ins Meer.

Als wir zurück zum Hotel liefen, überkam uns ein großer Hunger und wir setzten uns in eine Backpacker-Kneipe.
„Das sind doch keine Vietnamesen hier!“, sagte ich leise zu Alisa. Sie blickte sich interessiert um.
„Ja, das stimmt. Die sehen sogar sehr europäisch aus!“, erwiderte sie und begutachtete einen blonden Barkeeper, der freundlich mit zwei Karten in der Hand auf uns zu steuerte.
„Hey girls. Where are you from?“, fragte er und legte vor uns die Speisekarten ab. Es entwickelte sich schnell ein nettes Gespräch und wir fanden heraus, dass er aus Litauen war. Mit seinen Freunden hatte er für ein paar Monate die Location gemietet, um Geld zu verdienen und vor allem, um mal aus Litauen rauszukommen. Wir aßen die besten Pommes, die ich je serviert bekommen hatte.
„Do you know, where we can change money?“, fragte Alisa ihn beim Bezahlen.
“Sure. It´s not far away…” Er erklärte uns, dass wir nur ca. 10 Minuten den Berg hochlaufen müssten. In diesem Moment hörten wir Rollergeräusche, die immer lauter wurden. Eine Gruppe von jungen Männern kam die enge Straße entlang gefahren.
Der Barkeeper sagte uns, dass dies seine Freunde seien und einer von ihnen uns bestimmt zum Bankautomaten fahren würde.
Ich sah Alisa an und wir mussten uns ein Lachen verkneifen. Der Anblick, wie diese Männer auf die Bar zufuhren mit ihren Piloten-Sonnenbrillen und den Helmen, erinnerte einfach zu sehr an einen lustigen Film. Es fehlte nur noch ‚highway to hell’ von AC/DC. Nachdem wir ein paar Wörter mit den Jungs gewechselt hatten, stiegen wir bei einem hinten auf den Roller und fuhren los.
„Schau mal her!“, kreischte Alisa und hielt ihre Go-Pro vor unsere Gesichter. Ich konnte nicht direkt hineinschauen, denn ich musste lachen. Es war einfach zu witzig, wie wir zu dritt auf diesem kleinen Roller fuhren. Ich hatte nur ein dünnes Strandtuch umgewickelt und sah aus, als hätte ich gar nichts an. (Wie man später auf den Bildern sehen konnte.)
Was sich der Fahrer wohl dachte? Er fand uns jedenfalls sympathisch, denn er bot anschließend an, uns am nächsten Tag die Insel zu zeigen. Leider mussten wir ablehnen. Wir hatten einen festen Strandtag für morgen eingeplant, um die Sonne und die Ruhe zu genießen. Nach einem Saigon-Bier verabschiedeten wir uns und gingen zurück ins Hotel.

„Dreh dich bitte unauffällig um. Das ist doch Alan vom Film ‚Hangover’!“, flüsterte Alisa und vergrub ihr Gesicht im Handtuch, um ihre Lache zu ersticken. Professionell, wie ein CIA-Agent, setzte ich meine Sonnenbrille auf und drehte mich auf die andere Seite. (Ich hoffte, dass man durch die Sonnenbrille nicht sehen konnte, wo ich hinblickte.) Wir hatten uns zwei Strandliegen für einen Tag gemietet, die zu einem Hotel gehörten und weshalb auch kein stinkender Müll herumlag. Paradise Feeling pur!
„Ohja! Sowas von!“, rief ich aus und kramte nach meinem Handy. (Natürlich war er es nicht wirklich, aber der Mann sah ihm zum verwechseln ähnlich!)
„Alisa, du musst ein Foto machen. Das glaubt mir sonst keiner! Tu so, als würdest du mich fotografieren!“
Kichernd machten wir uns ans Werk und ich bin mir im Nachhinein sicher, dass er es bemerkt hatte. Denn auf einem der Bilder blickte er direkt in die Kameralinse.

Nichtsahnend schlenderten wir am nächsten Tag zum Frühstück. Ich liebte die Bananacakes! Sie sahen aus wie sehr dünne Pancakes mit Honigbananen. Gut gelaunt und ausgeschlafen sagte ich zu der Bedienung, dass ich gerne zwei bestellen möchte (sie bereiteten diese immer frisch zu), da erblickte ich ihn: Alan! Er war im gleichen Hotel wie wir und schaute mich böse an. Das war einer der Momente, in dem ich am liebsten im Erdboden versinken wollte.

Die folgenden Tage verliefen alle ähnlich. Wir legten uns an den Pool oder an den Strand und gönnten uns so viel Sonne und Meer wie nur möglich. Aber auch das hatte seine Folgen. Ich bekam so einen heftigen Sonnenbrand, dass für mich am dritten Tag erst einmal Schluss war mit Sonne.
„Das schält sich sicher. Oh du arme, das sieht echt übel aus!“, sagte Alisa und betrachtete meinen Sonnenbrand.
„Ne, ne. Das ist mir schon öfter passiert. Meine Haut schält sich nie!“, antwortete ich überzeugt.

Natürlich schälte sich meine Haut. Aber da waren wir schon längst an einem anderen Ort.

 

XO Maria

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